Konzertarchiv

Mehr als 200 Zuschauer lauschten am Sonntagabend der Musik des Oldenburger Kammerchors. Die Veranstaltungen fand im Rahmen des Gartenkultur-Musikfestivals statt.

von Peter Kratzmann

OSTRITTRUM „Wir sind schon ein Stück überwältigt angesichts des Besucherandrangs zu unserer Gartenkultur-Musikfestival-Veranstaltung mit dem Oldenburger Kammerchor“, zeigte sich Monika Grashorn am frühen Sonntagabend überrascht. Angesichts von Wettervorhersagen mit schweren Gewittern hatten sich Monika und Gitte Grashorn dazu entschlossen, das Konzert in die Konzertscheune ihres Hofes zu verlegen. „Das kam auch den Sängerinnen und Sängern des Chors wegen der Akustik entgegen“, so Gitte Grashorn. Aber dass am Ende weit über 200 Zuschauer das Konzert besuchten, überraschte beide.

Musikalisch geboten wurde ein romantisch-sommerliches Konzert mit dem Oldenburger Kammerchor. Nach dem Oldenburger Staatsorchester gastierte damit auch die zweite musikalische Größe aus Oldenburg auf dem Hof Schweers in Ostrittrum.

Der Chor wurde 1986 von Johannes von Hoff gegründet, umfasst 35 Sängerinnen und Sänger und hat sich zu einem der führenden Kammerchöre Deutschlands entwickelt. In Ostrittrum war das sommerliche Programm „Das Hohelied der Liebe – Werke für Chor und Combo“ zu hören. Dazu boten das großzügige Hofgelände, die gemütlichen Plätze im Garten und der Hof zwischen den historischen Gebäuden oder unter der 200-jährigen Linde den passenden Rahmen.

Mit „Vidi Speciosam“ Chor Tomás Luis de Victoria eröffnete der Oldenburger Kammerchor das Konzert. Eingebunden in den Konzertablauf waren verjazzte Interpretationen, vorgetragen von Klaus Ignatzek (Pianist und Komponist), ergänzt durch den Saxofonist Klaus Fey und Jens Heisterhagen am Bass – allesamt exzellente Musiker ihres Fachs.

Mit Werken von David Wikander, Gust Holst, Morten Lauridsen und Klaus Fey („Trialogue“) endete der erste Konzertteil. Nach der Pause stand „Höga Visan“ mit Gesang, Bass, Klavier und Saxofon von Nils Lindberg auf dem Programm. Der zweite Konzertteil, der sich mehr noch zeitgenössischer Musik widmete, darunter auch einer Komposition von Klaus Ignatzek, bildete einen musikalischen Kontrast.

Liebe – Werke für Chor und Combo von M. Lauridsen, N. Lindberg u.a.

Sa, 20. August 2016, 19 Uhr, Ganderkesee, Jazzfestival
So, 21. August 2016, 17 Uhr, Oldenburg, Ansgari-Kirche
So, 28. August 2016, 18 Uhr, Dötlingen/Ostrittum, Hof Schweers

10 000 Kilometer zum Konzert

NWZ 14.3.2015

Oldenburger Kammerchor singt in Ecuador – Ausschnitte schon am Sonntag – Horst Hollmann

OLDENBURG Natürlich kann man digital überall hinreisen, ohne dann wirklich dort zu sein.Johannes von Hoff und der Oldenburger Kammerchor bevorzugen die analoge Variante. „13 Stunden Flug von Amsterdam nach Ecuador, knapp 10 000 Kilometer, vier Konzerte in der Hauptstadt Quito“, kündigt der Chorleiter an. Viel Aufwand also. Aber: „Wir sind alle schon höchst gespannt auf das Festival!“

Das Festival: Schon zum 14. Mal findet das Internationale Festival Geistlicher Musik in dem südamerikanischen Land statt. „Die Stiftung Teatro Nacional Sucre richtet es aus“, erläutert von Hoff. „Dieser gemeinnützige Verein ist auch unser Gastgeber.“ Die Verbindung hat Gisela Kanngießer geknüpft. Die Chorsängerin ist trotz ihres anders klingenden Namens Ecuadorianerin und pflegt immer noch beste Kontakte zu ihrem Heimatland.

Alle stehen unter Hochspannung: Das heißt 33 Sängerinnen und Sänger des Chores, der zur Kirchengemeinde Eversten gehört, aber Oldenburger aus allen Stadtteilen vereint. Bei den Formationen mittlerer Größe in Deutschland könnte man ihm Bundesligareife bescheinigen. Fast alle Chormitglieder haben sich für die Reise vom 25. März bis zum 6. April angemeldet.

Mehr als ein Dutzend unterschiedliche Formationen sind eingeladen, die Oldenburger stellen den einzigen ausländischen Chor. Die Liste der Teilnehmer umfasst vielfältige Gruppen aus Mexiko, den USA, Costa Rica oder Kuba und schließt neben heimischen Experten Andiner Musik auch das Orquesta Sinfonica Nacional ein.

Schon am Tag nach der Ankunft geht es in Quito los: Drei Stunden proben die Deutschen mit dem Coro Mixto Ciudad de Quito. Zweimal tritt man gemeinsam auf, singt zusammen Motetten und andere Kompositionen oder wechselt sich ab. Zudem sind zwei eigene Konzerte des Kammerchors geplant. Ein bisschen wiegt der Everster Kantor dann doch den Kopf: „Mal sehen, wie wir alle mit der Höhenluft in den Anden klarkommen.“

Die Oldenburger freuen sich auf die Menschen, die ihnen zuhören werden, und auf die prächtigen Kirchen von San Sebastián bis zur Iglesia de la Compania, in denen sie singen. „Da ist eine prunkvoller als die andere“, weiß von Hoff aus digitalen Recherchen. Und gerade zur Karwoche ist eine so stark besucht wie die andere. Die Ecuadorianer freuen sich auf die Bekanntschaft mit sakralen und weltlichen Werken aus Europa von Bruckner über Poulenc oder Pärt bis zu Rachmaninow.

Zeit für Ausflüge in die Umgebung der Hauptstadt bleibt auch im eng gestrickten Programm. Und von Hoff treibt noch eine zusätzliche Neugier um: „Ich hoffe, viel über die Musik zu erfahren, wie sie ja in Südamerika schon intensiv zur Zeit des Barock gepflegt wurde.“ Auch die erlebt man am besten live.

15.3.2015
Aus dem Programm der Konzertreise nach Ecuador
Werke von J.S. Bach, A. Bruckner, S. Rachmaninov
14.3.2015 – Auftritt bei den Tagen der Chor- und Orchestermusik in Celle

30 Jahre Oldenburger Kammerchor

Moons and suns

NWZ – 23.2.2016

Gespür für Klanggewebe mit feinem Strickmuster

Oldenburger Kammerchor und das Raschèr-Saxofonquartett begeistern in der Ansgarikirche

von Horst Hollmann

Wer einen Chor aufgebaut und zu einem der besten im Lande gemacht hat, darf auch mal mit den Fähigkeiten seiner Sängerinnen und Sänger kokettieren. Also animiert Ansgari-Kantor Johannes von Hoff die Zuhörer: „Sie dürfen durchaus auch zwischendurch applaudieren“ – und schiebt hinterher: „Natürlich nur, wenn es Ihnen wirklich gefallen hat.“ Was für eine Einschränkung! Was gäbe es am Oldenburger Kammerchor auszusetzen?

Das 30-jährige Bestehen feiert das Ensemble mit mehreren Auftritten in diesem Jahr. Diesmal gesellt sich in der voll besetzten Ansgarikirche eine Formation dazu, die den ohnehin zu erwartenden Beifall noch höher branden lässt: Das Raschèr-Saxofonquartett, eine im Jahr 1969 gegründete, in aktueller Besetzung höchst innovative und trotzdem schon legendäre Gruppe.

Das Format der Raschèrs zeigt sich nicht nur in den eigenen Beiträgen, sondern gerade im Zusammenwirken von Christine Rall (Sopransaxofon), Elliot Riley (Alt), Andreas van Zoelen (Tenor) und Kenneth Coon (Bariton) mit dem Chor. Das engagierte Ineinandergreifen ist im Kernwerk des Programms fast handfest zu spüren: „Moons an Suns“ von Ivan Moody.

Der Brite greift die finnische Sage, nach der Sonne und Mond verschwunden sind, auf. Am Ende bringt der Schmied Ilmarinen die Gestirne wieder an ihren Platz: Über Öde und Kälte erwacht neues Leben.

Da zeigt der Chor, wie er abrupte Stimmungswechsel und immense technische Anforderungen in Einklang bringen kann. Mit höchst differenzierter Artikulation arbeitet er die feinen Strickmuster der Klangewebe und Emotionen heraus.

Der Kammerchor zeigt eine Nähe zu Neuer Musik, die auch Arvo Pärt („Morning Star“) oder John Rutter „Hymn to the Creator of Light“) anregend erleben lässt. Da trägt er mit feinem Gespür für spannungsvolle Reibungen und Glättungen intensiv über manche Schlichtheiten hinweg. Von Hoff hat seinen Vorzeigechor auch bei Max Reger, Ildebrando Pizzetti oder Richard McIntyre sehr darin geschult, die Stimmtypen ebenso miteinander zu verschmelzen wie die Verflechtung der Stimmen klar herauszukehren.

Die Raschèrs setzen dazwischen die Glanzlichter. Sie dämpfen ein Piano derart ab, dass noch das Tropfen des Regens an den Fenstern hörbar bleibt (Pärts „Da pacem Domine“). Sie zaubern Pizzicati hervor (Robert Starers „Light and Shadow“). Sie demonstrieren die komplette Vielfalt von klarer Linienführung zu schwelgerischem Farbenrausch, von impressionistischer Stichelung bis zu raumfüllender Dynamik (Variationssatz aus Alexander Glasunows Quartett).

Beifall also! Und davon bitte jede Menge!

Kammerchor verblüfft mit Plattdeutsch am Äquator

NWZ – 11.4.2015

Beeindruckende Erlebnisse und beeindrucktes Publikum – Gratiskonzert in Ansgarikirche

OLDENBURG/QUITO Sie gilt zwar als die schönste Kirche der Neuen Welt, das ist an diesem Abend aber nicht der Grund für die lange Schlange vor der Iglesia de Compania. Diesmal singt hier in der innen komplett vergoldeten Kirche der Oldenburger Kammerchor – und offenbar will halb Quito zuhören. „Auch die Ärmeren sollen die Chance haben, in Konzerte mit klassischer Musik zu gehen“, sagt Chia Patino, Leiterin von „Musica Sacra“.

Das bedeutendste Festival Südamerikas macht Kirchen zu Konzertsälen, und weil der Eintritt frei ist, treffen die 34 Sängerinnen und Sänger aus Oldenburg in der Hauptstadt Ecuadors auf ein begeistertes Publikum. Schon am Vortag, beim ersten von vier Konzerten in der Zwei-Millionen-Stadt, gibt es dichtes Gedränge vor der Bühne. Und das, obwohl „die europäische Kulturmusik für die meisten Menschen hier völlig neu ist“, so Johannes von Hoff (Leiter des Oldenburger Kammerchores). Besonders die vielen Kinder hinterlassen großen Eindruck: Gebannt lauschen diese vom Fußboden aus den romantischen Stücken von Bruckner und Rachmaninov.

Zwei ihrer Konzerte geben die Oldenburger zusammen mit dem „Choro Mixto Ciudad de Quito“ – und begeistern damit von Hoff: „Toll, wie schnell die über 60 Sänger aus zwei Ländern hier eine gemeinsame musikalische Sprache gefunden haben.“

Für den Kammerchor gestalten sich die Proben während der zehntägigen Reise zugleich als echtes Trainingslager: Wie Leistungssportler müssen sie erfahren, dass in 3000 Metern Höhe die Luft knapp werden kann.

Beim Konzert in der goldenen Kirche von Quito sitzt trotzdem jeder Ton. Poulenc, Pärt, Sateren, Janssonn – schon zwischen den Stücken gibt es jede Menge Applaus. Schließlich haben die Oldenburger „Apamuy Shungo“ einstudiert – einen in Ecuador populären Gesang der Ureinwohner –, und verblüffen damit Publikum wie Profis. Plattdeutsches gibt es zur zweiten Zugabe am Äquator: „Dat du min Leevsten büst“. Das kommt an – ganz so, wie Herzlichkeit und Gastfreundschaft ebenda auch die Oldenburger beeindrucken. Geschenke, Einladungen, Umarmungen: So bedanken sich die Einheimischen.

Weitere Einladungen zu Auftritten und Workshops in die USA schließen sich an. Die Veranstalter von „Musica Sacra“ möchten das Festival auf ganz Südamerika ausdehnen und dann gern den Kammerchor wiedersehen und -hören. Am Montag, 27. April, um 20 Uhr, kommen aber erst mal wieder die Oldenburger in den Hörgenuss: In der Ansgarikirche wird das Ecuador-Programm dann bei einem Gratiskonzert präsentiert.

Konzertreise nach Ecuador
25.03.-07.04.2015
Konzerte – Festival Internacional de Música Sacra, Quito
Samstag, 28.03.2015, 18 Uhr, Iglesia de San Sebastian
Sonntag, 29.03.2015, 19:30 Uhr, Iglesia de la Compania
Mittwoch, 01.04.2015, 19:30 Uhr, Palacio de Cristal del Centro Cultural Itchimbia
Donnerstag, 02.04.2015, 11:00 Uhr, Iglesia de El Quinche

Anschlusskonzerte 

Montag, 27.04.2015, 20 Uhr
Ansgari-Kirche, Oldenburg-Eversten

Samstag, 09.05.2015, 19 Uhr
St. Hippolyt-Kirche, Nordenham-Blexen

Sonntag 10.05.2015, 17 Uhr
Dom zu Verden

Gastkonzert in Hannover

18.05.2014
Singet dem Herrn ein neues Lied – in der Pauluskirche mit dem Collegium vocale Hannover, Ltg. Forian Lohmann

Klage- und Lobgesänge

Matthäus-Passion als beglückendes Gesamterlebnis

MatthäusNWZ – 31.3.2014

Oldenburger Kammerchor und Barockorchester „La Dolcezza“ berühren das Publikum tief

Andreas R. Schweiberer

Die kunstvoll aufgebaute Reichhaltigkeit von Bachs Matthäus-Passion erstreckt sich auf Text, Dramatik, Klangfarben, musikalische Erfindung, Eindringlichkeit und noch einiges mehr.
Die aktuelle Einstudierung von Johannes von Hoff stützt sich auf einen überaus sicheren und flexiblen Oldenburger Kammerchor mit 38 Sängern und ein ebenso professionell wie hörerfreundlich aufspielendes Barockorchester „La Dolcezza“ (21 Streicher und Holzbläser). Das Spiel auf nachgebauten Original-Instrumenten erzeugt einen warmen, weichen und sonoren Klang, was durch das völlige Fehlen von Blech verstärkt wird. Zudem konnten für die dreistündige Aufführung in der Ansgari-Kirche fünf erfolgreiche Solisten verpflichtet werden (Karin Gyllenhammar, Sopran; Britta Schwarz, Alt; Hans Jörg Mammel, Tenor, der Bassist Johannes Happel, der den Jesus mit der angemessenen Würde darstellte, und Marek Rzepka, der die Bass-Arien sang).
Johannes von Hoff brachte mit seinem Ensemble einen in sich stimmigen Gesamtzusammenhang zum Klingen, in dem jedes Moment mit jedem anderen verzahnt zu einem beglückenden Gesamtergebnis führte. Die Balance zwischen den Beteiligten stimmte, der Chor sang von Beginn an homogen und schlagkräftig, das Orchester agierte geschmeidig, die Solisten schafften es immer wieder, die ganz eigenartige Atmosphäre von lichtvoller Zuversicht trotz der Leiden des Herrn zu erzeugen. Die lyrischen Exkurse aus dem Geiste des Pietismus, die neben den Texten des Evangelisten stehen, gaben breiten Raum zum gefühlvollen Ausleuchten, zum Innehalten, zum Mit-Leiden. „Das gehet meiner Seele nah“ – so ging es wohl den meisten der zahlreichen Zuhörer: und das vor allem dank einer runden, in sich stimmigen Interpretation, mit einer ganz außerordentlichen Tenor-Leistung von Hans Jörg Mammel, der nicht nur, durch die vielen Rezitative, am meisten zu singen hatte, sondern seinen Part souverän und kongenial ausfüllte zum Erstaunen.
Nach dem Ende des Konzertes herrschte erst Stille, dann läuteten die Kirchenglocken, dann brandete der Beifall auf – auch das ist Teil einer gelungenen Inszenierung des sakralen Gesamtkunstwerkes.

Weihnachtliches Chorkonzert – Werke aus vier Jahrhunderten

Verdis Requiem voller Ausdruck
„Messa da Requiem“ in Ansgari

NWZ – 29.10.2013

Andreas R. Schweiberer

Lange ist es her, dass das Requiem von Giuseppe Verdi in Oldenburg erklang. Jetzt, nach vielen Jahren, fanden sich unter der Leitung von Johannes von Hoff etwa 150 Musiker zusammen, um dieses vom Äußeren wie vom Gehalt her riesige Werk eindringlich und in jeder Hinsicht angemessen aufzuführen. Die Ansgari-Kantorei, der Oldenburger Kammerchor und das Ansgari-Orchester intonierten die „Messa da Requiem“ als das, was sie ist: als dramatisch aufgeladenes, Anleihen bei der italienischen Oper nicht scheuendes, Oratorium. All der großartig artikulierte melodische Fluss, der farbige Reiz, diente allein einem gesteigerten Ausdruck.
Flehen nach Erlösung.
Mit opernhaften ariosen Einschüben, vorgetragen von Marietta Zumbült (Sopran), Franziska Gottwald (Mezzosopran), Mirko Roschkowski (Tenor) und Thomas Laske (Bass), gewann das kraftvoll-vitale Werk Vielschichtigkeit, konnte das Auditorium innerlich Luft holen nach den scharfen, verstörenden Dissonanzen des allgegenwärtigen „Dies irae“. Gegen diesen Tag des Zorns und der Schrecknisse kämpfte sich wie in einem dramatischen Schauspiel mehr und mehr das verzweifelte Flehen nach Erlösung, nach ewiger Ruhe, durch. Wenn auch am Ende die Musik versöhnlich ausklingt, so überwog, auch von der interpretatorischen Anlage her, das Schrille, Grässliche, Bedrohliche, die existenzielle Angst, die Verdi wie in seinen Opern unnachahmlich in bedrängend realistische Musik zu fassen vermag.
Emotional aufgeladen.
Bei all den aufgepeitschten Schrecknissen und Ängsten, die der letzte Tag und das drohende Gericht mit sich bringen, liegt die Kernaussage im „Salva me“ (Rette mich /lass Gnade walten). Solisten, Chor und Orchester agierten hier mit schier unfassbarem Nachdruck und mit einer Kraft der Beschwörung, die den Verstorbenen (Verdi schrieb die ersten Teile für Rossinis Jahresgedenken, das ganze Werk zum Jahresgedenken für Manzoni) retten sollen. Das klang so theatralisch, so opernhaft emotional aufgeladen, so voller weltlicher Harmonien, mit einem so prägnant katholischen Gestus, dass der protestantisch-norddeutsche Rahmen fast ein wenig surreal anmutete. Aber es zeigte auch, wie erfolgreich sich alle Beteiligten, allen voran Johannes von Hoff mit einem ebenso souveränen wie emotionalen Dirigat, dem Ausdrucksgehalt fast kongenial anzunähern wussten.
Nach dem Verklingen der letzten Töne erklang das Geläut der Ansgari-Kirche. Nach einigen Augenblicken der Ruhe und Einkehr gab es verdientermaßen langanhaltende, stehende Ovationen.